Literatur



Wolfgang Sternstein:
Mein Weg zwischen Gewalt und Gewaltfreiheit

Weit gespannt ist der Bogen dieser Lebensgeschichte zwischen Gewalt und Gewaltfreiheit, Aktion und Reflexion, Öffentlichem und Privatem, Theorie und Praxis, Wissenschaft und Politik.

>>Dieses Buch ist ein großartiges Dokument, wie ein eher stiller, introvertierter Mensch einfach aus seinem Glauben an die Menschlichkeit und an die Verantwortlichkeit Einzelner für das Ganze zu einem Vorbild für viele werden könnte, die in einer Zeit der Duckmäusigkeit und des Verdrängens wieder das Standhafte lernen könnten und sollten.<<

Aus dem Vorwort von Horst-Eberhard Richter
(zu bestellen bei UWI e.V.)


Besprechung der Autobiografie

Mahatma Gandhi nannte seine Autobiografie im Untertitel: „Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit“. Sternstein hätte seine Autobiografie in Anlehnung an sein großes Vorbild mit dem Untertitel versehen können: „Die Geschichte meiner Experimente mit der Gewaltfreiheit“, denn darum handelt es sich. Er berichtet über zahlreiche gewaltfreie Aktionen, an denen er teilgenommen hat und aus denen er die Summe seiner Erfahrungen in Form von Empfehlungen und Lehren zieht. Wyhl, Brokdorf, Gorleben, Großengstingen Mutlangen, Büchel und das EUCOM bei Stuttgart sind die Stationen dieser ungewöhnlichen Lebensreise.

Sie ist aber noch mehr. Sie ist die Geschichte eines Abstiegs in die Hülle familiärer Gewalt und - dank persönlicher Anstrengung und glücklicher Umstände - des Aufstiegs in den „Himmel“ der Gewaltfreiheit. Diese individuelle Geschichte setzt der Autor in Beziehung zur Menschheitsgeschichte, die, von Ausnahmen abgesehen, nur den Abstieg in die Hölle der personalen und strukturellen Gewalt kennt. Er wird nach Meinung des Autors im atomaren Holocaust sein Ende finden. Ungeachtet der düsteren Zukunftsprognose ist es dennoch kein pessimistisches Buch, denn Sternstein ist mit Gandhi überzeugt, dass nichts, was Gutes in der Welt geschieht, verloren ist, während alles, was Böses geschieht, verloren ist. Die alltäglichen Triumphe der Gewalt und der Ungerechtigkeit in der Welt sind folglich, unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit betrachtet, lauter Pyrrhussiege, denn das Böse ist seinem Wesen nach nichtig. So lautet
zumindest das Glaubensbekenntnis des Autors.

In der zweiten Hälfte, gerät das Buch gelegentlich zum Sachbuch, ja fast könnte man sagen zum Lehrbuch für gewaltfreie Aktion, was auf Leser, die lediglich an der autobiografischen Erzählung interessiert sind, abschreckend wirken könnte.

Das Beste, was über das Buch gesagt werden kann, hat Horst-Eberhard Richter im Vorwort auf den Punkt gebracht: „Dieses Buch ist ein großartiges Dokument, wie ein eher stiller, introvertierter Mensch einfach aus seinem Glauben an die Menschlichkeit und an die Verantwortlichkeit Einzelner für das Ganze zu einem Vorbild für viele werden könnte, die in einer Zeit der Duckmäusigkeit und des Verdrängens wieder das Standhafte lernen könnten und sollten.

Erich Schneider

Wolfgang Sternstein: Mein Weg zwischen Gewalt und Gewaltfreiheit. Autobiografie.

Vorwort: Horst-Eberhard Richter, Norderstedt 2004, 488 Seiten, 50 Fotos, € 28,--